Also und Komsa rücken enger zusammen

Mit dem Zusammenschluss ihrer Distributionsgeschäfte vereinen Also und die britische Westcoast einen Umsatz von 15 Mrd. Euro und sehen sich als größter Cloud-Anbieter in EMEA. Westcoast-Gründer Joe Hemani wird Aktionär bei Also und auch bei in Teilen Wettbewerber Komsa. Eine ungewöhnliche Konstellation.

Die behördliche Genehmigung sei im Rekordtempo erteilt worden, ab dem 1. März kann Distributionsschwergericht Also die neue Beteiligung an Westcoast in der Bilanz zusammenführen. Beide Distributoren werden dann einen Proforma-Umsatz von über 15 Mrd. Euro ausweisen und reklamieren für sich, Nummer 1 als indirekter Cloud-Anbieter in der Region EMEA zu sein. Die Fusion haben beide Unternehmen im Juli vergangenen Jahres verkündet.

Westcoast-Gründer Joe Hemani hat für den Verkauf seiner Anteile ein EBITDA-Multiple von rund 6 ausgehandelt. Ein Viertel des Kaufpreises wurde ihm in Aktien der Also-Holding ausbezahlt, der Rest erfolgte in Bar. "Auch nach dieser Transaktion und dem angekündigten Aktienrückkauf verfügt Also über weitere Cash-Reserven sowie bereits vorhandene Kreditfazilitäten für zukünftiges Wachstum", teilt Also mit. Eine Fremdfinanzierung sei nicht erfolgt.

Hemani dürfte einen Großteil der Barmittel aus dem Westcoast-Verkauf in die Übernahme des TK-Distributors Komsa gesteckt haben. Die Westcoast Holdings Limited hat zum Jahresanfang "unmittelbar eine qualifizierte Mehrheitsbeteiligung" an der Komsa AG erworben, wie aus dem jüngsten Handelsregister hervorgeht. Die Anteile von Komsa hat er von der Familie des Komsa-Gründers Gunnar Grosse erworben. Grosse ist im Januar 2023 gestorben, seine Frau Kerstin ist noch Vorsitzende des Komsa-Aufsichtsrats.

J oe Hemani bei Also und Komsa investiert – mit welchem Ziel?

Hemani ist nun als Aktionär sowohl bei Also als auch bei Komsa investiert. Eine in der Branche ungewöhnliche Konstellation, denn in Teilen dürften beide Distributoren auch Wettbewerber sein. Viele Hersteller distribuieren über beide Grossisten – angefangen bei APC by Schneider Electric über Mitel, Microsoft, Samsung bis hin zu Netzwerkhersteller Zyxel. Welche Ziele Hemani mit der Verquickung seiner Investments verfolgt, ist völlig unklar. Eine Strategie ist nicht zu erkennen.

Also teilt lediglich mit, man wolle die Zusammenarbeit mit den Hemani gehörenden Firmen intensivieren, "um zusätzliches Potenzial zu erschließen". Zu Hemanis Firmen gehören neben Komsa auch eine Beteiligung an einem "Reseller-Geschäft und einem Gaming-Unternehmen", teilt Also mit.

Hemani bleibe "aktiv" in der IT-Branche. Damit deutete Also eine wie auch immer geartete Zusammenarbeit mit Komsa an – entgegen der ursprünglichen Äußerung des Komsa-CEOs Pierre-Pascal Urbon. Der hatte einen Tag nach der Meldung, dass Also und Westcoast fusionieren, in Großbuchstaben behauptet, dass Komsa vom Verkauf einzelner Geschäftsbereiche von Westcoast an Also "NICHT BETROFFEN" sei.

Die Zusammenführung von Also und Westcoast wird künftig von einem "ausgewogenen Lenkungsausschuss koordiniert, dem leitende Manager und erfahrene internationale Projektteams angehören", so Also. Die Integration werde sich "über mehrere Jahre erstrecken, wobei die einzelnen Themen entsprechend ihrem Rentabilitätspotenzial priorisiert" würden.

Komsa-CEO Urbon, den Gunnar Grosse 2020 an die Spitze zum TK-Distributor holte, hat damit seine offensichtlich wichtigste Aufgabe erfüllt: einen Investor an Bord zu holen, der die im Besitz der Familie Grosse liegenden Anteile nach und nach übernimmt. Urbon, gelernter Bankkaufmann und Betriebswirt, war lange Jahre beim Wechselrichterhersteller SMA tätig, von 2011 bis 2018 Vorstandssprecher. Im Oktober 2018 legte er sein Amt beim damals angeschlagenen Unternehmen mit sofortiger Wirkung nieder. Preisverfall, massive chinesische Konkurrenz und der Wegfall der staatlichen Solarstromförderung machten SMA schwer zu schaffen.

Urbons Amt als CEO bei Komsa geht offiziell bis Ende März. Nach dem Westcoast-Deal scheidet er aus, für ein Statement steht er CRN nicht zur Verfügung. Ungewöhnlich: Einen neuen CEO soll es bei Komsa nicht mehr geben. Als neuer Hauptanteilseigner dürfte nämlich Joe Hemani künftig die Richtung beim sächsischen Distributor aus Hartmannsdorf vorgeben und damit auch über das Managementteam bei Komsa bestimmen.

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