Bechtle-CEO: IT-Nachfrage belebt sich frühestens ab Jahresmitte

Kurssprung bei der Bechtle-Aktie am Freitagmorgen: Die Börse reagiert freundlich auf eigentlich unerfreuliche IT-Märkte. Keine strukturelle Krise der IT oder gar Bechtle, sagt CEO Thomas Olemotz. 2024 ist abgehakt, 2025 bleibt sehr spannend.

Bechtle-CEO Thomas Olemotz: "Das Jahr 2024 stellte die Bechtle Gruppe vor große Herausforderungen. Obwohl wir mit dem Verlauf und den Zahlen nicht zufrieden sind, haben wir uns angesichts der äußerst schwierigen Rahmenbedingungen dennoch gut behauptet"

Den positivsten Impuls heute Vormittag bei der Bilanzpressekonferenz von Bechtle in Frankfurt/Main hat die Börse gesetzt: Die Bechtle-Aktie springt auf ein Plus von fast 6 Prozent auf 39,90 Euro (Xetra-Handel, 12 Uhr). Die Papiere haben somit seit Jahresanfang ein Plus von 27 Prozent erreicht. Mit der gewählten Überschrift der Pressemeldung, "Bechtle hält Dividende stabil", wäre das Systemhaus in besseren Bechtle- und gesamtkonjunkturellen-Zeiten von der Börse wohl abgestraft worden. Dass 2024 für Bechtle ein schlechtes Jahr war, ist im Aktienkurs bereits eingepreist, Überraschungen zu den vorab gemeldeten Zahlen für das vergangene Jahr musste CEO Thomas Olemotz nicht verkünden. Er hatte den Kapitalmarkt schon im vergangenen Oktober und dann einen Monat später auf die schleppenden Geschäfte des Systemhauses vorbereitet.

Die Bilanz 2024 war also keine Überraschung: Umsatzrückgang um 1,8 Prozent auf knapp 6,31 Mrd. Euro, dank der guten Softwareverkäufe, deren mehrjährige Umsätze anteilig in die Bilanz 2024 fließen, verbuchte Bechtle beim Geschäftsvolumen ein Plus von 2 Prozent auf rund 7,95 Mrd. Euro. Verdaut hat die Börse auch den für Bechtle ungewohnten Gewinnrückgang: Das Ergebnis vor Steuern betrug 345,1 Mio. Euro, nach 374,5 Mio. 2023.

Die Zahl der Mitarbeitenden im Gesamtkonzern kletterte um 4 Prozent auf 15. 800. Hashtag #Zukunftsstark fehlt bei keinem Posting auf den Bechtle-Kommunikationskanälen, so dass die Schwaben zwar vorsichtig bei Neueinstellungen sind, aber grundsätzlich beim Wachstumskurs durch Akquisitionen, internationale Aufstellung in Europa und Investitionen in aussichtsreiche IT-Segmente wie KI festhalten - auch in konjunkturellen Zeiten wie diesen.

Und die bleiben in den kommenden Monaten mit großen Unsicherheiten behaftet. "Die gesamtwirtschaftliche Lage ist zu Jahresbeginn 2025 nach wie vor angespannt und die Unsicherheiten bezüglich der weiteren konjunkturellen Entwicklung sind immens. Die Prognosen für den IT-Markt liegen allerdings über denen für die Gesamtwirtschaft. Auch gibt es neben dem fortlaufenden Bedarf zur Digitalisierung branchenbezogene Entwicklungen, die die Nachfrage 2025 antreiben könnten, wie beispielsweise das Ende des Supports für Windows 10 oder die Notwendigkeit, eine KI-fähige IT-Infrastruktur zu schaffen", so Bechtle.

CEO Olemotz muss daher, um der gewohnt seriöse Kaufmann zu bleiben, das Delta möglicher Ergebnisszenarien doch sehr erhöhen: Ein Rückgang der Gewinne von ca. 5 Prozent sei ebenso möglich wie ein Wachstum von 5 Prozent. "Bechtle steht für Verlässlichkeit – auch bei der Prognose. Diese Verlässlichkeit wollen wir 2025 wieder beweisen", so der Bechtle-Chef. Diese große Spreizung ist für Bechtle außergewöhnlich, so außergewöhnlich wie eben die konjunkturellen und geopolitischen Rahmenbedingungen sind. Man gehe durch eine "anhaltende konjunkturell angespannte Phase", werde aber "alles daransetzen, wieder profitables Wachstum zu zeigen und Marktanteile zu gewinnen", sagt Olemotz.

Spielraum für Akquisitionen und Investitionen ausreichend

Die strukturellen und technologischen Trends der IT-Branche hält er für "intakt". Bechtle gut aufgestellt für die IT-Nachfrage, die "frühestens in der zweiten Jahreshälfte" anspringen könnte.

Äußerst positiv habe sich der operative Cashflow entwickelt. Er lag im Geschäftsjahr 2024 bei 558,2 Mio. Euro (Vorjahr: 45 Mio.) und verbesserte sich damit um fast 100 Mio. Die Kasse ist gut gefüllt, die liquiden Mittel summieren sich auf 643,1 Mio. Bechtle ist schuldenfrei. Man habe "ausreichend Spielraum für weitere Akquisitionen sowie Investitionen in die Zukunft".

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