Logicalis entlässt CEO Werner: Chemiestunde auf Vorstandsebene und ihre explosive Folge
Im wichtigsten Quartal den Geschäftsführer eines Systemhauses vor die Türe setzen und das per Nebensatz erwähnen: Was ist los beim deutschen IT-Dienstleister der britischen Logicalis-Gruppe? Die Hintergründe.
"Wir sind alle sehr geschockt", berichtet ein Mitarbeiter von Logicalis CRN über den plötzlichen Abgang von Deutschland-Chef Christian Werner. Am Dienstag dieser Woche gab Logicalis die Personalie bekannt, und zwar in einer Pressemitteilung mit der Allerweltsüberschrift "One Logicalis: Logicalis stärkt Deutschlandgeschäft". Vordergründige Botschaft: eine neue strategische Aufstellung, mit dem Ziel, Synergien der Gesellschaften Logicalis, Siticom und Orange Networks unter einer einheitlichen Führung bündeln. Jürgen Hatzipantelis übernimmt "mit sofortiger Wirkung die Position des CEO von Logicalis. Er folgt auf Christian Werner, der das Deutschlandgeschäft in den vergangenen acht Jahren erfolgreich vorangetrieben hat." Übergabe der Geschäfte? Fehlanzeige!
Zwei Beobachtungen, die Anlass geben, hier etwas tiefer einzusteigen. Die Formulierung mit "sofortiger Wirkung" wirft Fragen auf. Wer Werner kennt und die Stimmen zu ihm von wichtigen Herstellerpartnern vernimmt, kann sich nicht vorstellen, dass er seine in der Branche geschätzte hohe Reputation durch profanen Diebstahl von Silberlöffeln riskieren würde. Bis Redaktionsschluss antwortet Werner nicht auf Nachfragen von CRN.
Mit der Personalie Werner vertraute Kreise bei Logicalis sowie Kontakte bei Herstellern, die eng mit dem deutschen Logicalis-CEO zusammenarbeiteten, erzählen CRN, dass es zwischen Werner und Logicalis-CEO Bob Bailkoski schon seit längerem Spannungen gegeben habe. "Im Meeting hat Bob die Augen verdreht, sobald Christian etwas gesagt hat", berichtet ein Teilnehmer des Treffens. Die Chemie habe zwischen den beiden Managern nicht mehr gestimmt.
Ähnliches haben Herstellerpartner von Logicalis bemerkt. Wenn der britische CEO und der deutsche Geschäftsführer bei Events eines Herstellers gemeinsam im Meeting saßen, "herrschte zwischen den beiden eine frostige Atmosphäre", berichtet der Manager eines großen Netzwerkanbieters CRN, der um Anonymität bittet. "Gemeinsam fahren sie ganz sicher nicht in den Urlaub", so sein Kommentar.
Nun gibt es in der IT-Branche nicht selten so genannte Impuls-CEOs. Von Check and Balance halten sie wenig, Gewaltenteilung ist nicht ihr Ding. Sie agieren und reagieren aus dem Bauch heraus, oft auch gegenüber Journalisten. Landeschef und der Corporate-CEO müssen sich nicht lieben. In Sinne eines wirtschaftlichen Erfolgs, eines Betriebsfriedens und einer ungetrübten Partnerschaft zu Vendoren müsste man als Leader eigentlich in der Lage sein, seine Emotionen im Griff zu haben. Und wenn man schon nicht hinterm Berg halten kann und will, sollte man wenigstens keinen ungünstigen Zeitpunkt für eine Eskalation wählen.
Fristlose Demission des Deutschland-Chefs im für Logicalis so wichtigen Jahresendgeschäft, zudem die Bekanntgabe einer strategischen Neuausrichtung drei Wochen vor Jahresende, verunsichert alle: Mitarbeiter, Vendoren, Kunden.
Nachfolger Jürgen Hatzipantelis, der bisher die Töchter Siticom und Orange Networks führte, wird zuallererst die Wogen glätten müssen, die mit Werners überraschender Entlassung sehr hoch schwappten.